Die paar Überstündchen…
April 30, 2008
Ach, wenn ich mich doch nur auch so ambitioniert, wie manch anderer Juniorwerber in die workoholicdurchflutete Verkaufsförderungsbranche stürzen könnte, ohne wehleidig um die zahlreich verpassten Mußestunden zu trauern.
Aber ich schaffe es einfach nicht. Ich habe anscheinend ein äußerst dominant veranlagtes Freizeitgen, dass mir in die Quere kommt. Dieser Mangel paart sich dann ausgerechnet mit einer Tendenz zu unvernünftigem, voreiligem Dahergeplapper. Damit meine ich, dass mir Dinge in unpassenden Momenten von der Zunge hüpfen, bei denen mir erst kurz nachdem sie ausgesprochen wurden auffällt, dass hier eine selbstschützende Zensurfunktion hätte greifen müssen.
Diese Eigenheit scheint mir absolut karriereunförderlich und es wäre gut da ein bisschen dran zu arbeiten. Das werde ich wohl tun müssen.
Neulich; es war Freitag um sieben Uhr abends, habe ich – wohlgemerkt nachdem alles erledigt war – tatsächlich einem Creative Director gegenüber geäußert, dass man dann ja wohl Feierabend machen könnte, und um das zu untermauern (ganz großer Fehler) habe ich noch gewisse Freizeitfantasien für diesen Abend preisgegeben. Und zum krönenden Abschluss hinzugefügt, (das war absolut daneben und nicht nur leichtsinnig, sondern wirklich entsetzlich dämlich und eben einer von diesen eben beschrieben Ausrutschern) dass es sich ja schon um Überstunden handelt, bei der fortgeschrittenen Uhrzeit (ist natürlich Quatsch und es war ja auch erst sieben Uhr, was ja sozusagen die Mittagsstunde für einen guten Werber ist).
Naja, da muss man sich nicht wundern. Es ist auch nicht bei durch Augen verdrehen, gesteigertem Kopfschütteln seitens des CD´s geblieben. Ist ja klar. Jemand, der so was sagt, wird selbstverständlich sofort von der Werbestasi, als regimefeindlich ausgemustert. Mir wurde natürlich, sofort vorgeschlagen zu überdenken, ob dieser Job das Richtige für mich wäre und eigentlich bräuchte man gar nicht erst in die Werbung zu gehen, wenn man keine Lust hätte zu arbeiten. Zack! Das saß.
Und statt, dann endlich die Klappe zu halten, habe ich dann auch noch angefangen zu philosophieren, wie gut mir die Arbeit gefiele, bis eben auf die Arbeitszeiten. Stimmt ja auch. Aber wenn interessiert so was. Werbung ist eben keine normale Arbeit, sondern so eine Art Lebensstil und wem der nicht gefällt, hat eben Pech.
Heute sah allerdings alles schon wieder anders aus. Ganz so ernst scheint es dem CD mit der Werberethik doch nicht zu sein. Heute wurde man von ihm ganz pädagogisch, darauf hingewiesen, dass ja doch einiges zu tun wär und er gäbe nur zu bedenken, dass es sich beim ersten Mai ja um den Tag der Arbeit handle.
Und mit diesen Worten verlies er um halb sieben die Agentur, um im Bistrowagen Weizenbier schlürfend nach Hamburg zu rasen, um von dort einen kleinen Kurzurlaub nach Ibiza anzutreten. Somit hat sich der sich der Text-CD dem Executive Creative Director, der zur Zeit irgendwo in Mexico rumgolft, angeschlossen und beide sind bis einen Tag vor der nächsten großen Präsentation im Urlaub.
Man kann schon etwas daneben greifen.
April 28, 2008
Zumindest, wenn es um Namen geht. Jedenfalls scheint es mir unnötig, sich deswegen wahnsinnig zu machen . So wie es gerade in der Agentur, in der ich arbeite passiert. Dort wird nämlich ein Name für die Dienstleistung eines nicht unwichtigen Kunden gesucht und man wird sich nicht einig, weil es nach Meinung einiger Einfluss nehmender Namensmitbestimmer immer noch nicht gut genug ist, was man sich nach tagelanger Recherche zusammengedacht hat. Obwohl es schon längst den ein oder anderen wirklich akzeptablen Vorschlag gibt.
Offenbar ist es aber nicht notwendig so tief in die Trickkiste zu greifen, bei der Namenserfindung. Hauptsache das angebotene Produkt wird später einmal vom Konsumenten gemocht.
Immerhin gibt es genug Leute, die ein wirklich unmögliches Auto mit dem stylischen Namen Ka fahren. Vielleicht lebt dieser Name, aber erst durch seine Aussprache und soll nicht Ka heißen, sondern erfährt seinen wahren Klang erst durch eine amerikanische Betonung. So wie ein Frühstücksgflockenhersteller seine extra leichten Flocken auch nicht Spezial Ka nennt, sondern speschel Key.
In dem kleinen Autochen, ob Ka oder Key fühlen sich aber dennoch gut frisierte Pudel zu Hause, die wahrscheinlich nicht weniger fragwürdige Namen aushalten müssen. Man stelle sich vor, wie eine schon etwas betagtere Frau namens Jaqueline ihr Hündchen anweist: „Los Floppi! Rein mit dir, in den schönen Key. Wir gehen jetzt eine Runde walken.“
Selbst wenn man später eine gute Bezeichnung für die Dienstleistung gefunden hat, die keinen Hippnesrecord bricht, sondern einfach passt, weil sie logisch erklärt worum es sich handelt, muss man sich noch keine Vorwürfe machen.
Immerhin gibt es Leute, die es verantworten müssen, dass eine ganze Restaurantkette den Namen Mongo`s trägt. Da muss man sich schon ganz tief in den Erdboden schämen, wenn man den Laden nur für einen ganz kurzen Toilettengang betreten hat. Und auch in diesem drastischen Fall bescheuerter Namensschöpfung, wirkt sich die Untat noch nicht mal unternehmensschädigend aus. Die Menschen lassen sich scharenweise von Mongo`s verköstigen. Wer schlau ist, springt auf den Zug mit auf und eröffnet direkt neben einer Mongofiliale eine Cocktailbar namens Spasti`s. Dann kann man endlich vom Mongo`s ins Spasti`s schlendern und dabei noch lautstark mit seinem neuen Debitelhandy rumtelefonieren.
Selbstgespräche
April 27, 2008
Mehr und mehr habe ich das Gefühl ich bräuchte so eine Art Freund oder Begleiter, wie ich sie in zahlreicher Form früher hatte. Man stellte sich vor, man wäre einfach nicht allein, wenn es was zu besprechen gab und diskutierte wichtige Themen mit einer hergedachten Person. Damals konnte es entweder jemand sein, den es in Wirklichkeit gab, oder den man aus Büchern kannte und bewunderte. So hatte ich zum Beispiel einen Regen Austausch mit David Hasselhoff, bzw. Michael Knight, von dem ich einiges hielt. Wir tauschten unsere Meinungen darüber aus, ob man Plakafarbe in die kleinen Armaturen des Playmobil-Zirkuswagens schütten sollte oder lieber nicht, um Ärger wegen der Sauerei und Spielzeugsentwürdigung zu vermeiden.
Jedenfalls erinnere ich mich an das selige Gefühl, Dinge, die mich beschäftigten mit den richtigen Personen auf gebührende Weise abzuhandeln. Oft hatte ich auch Gespräche mit Lisa aus Bullerbü oder Pipis Äffchen Herr Nilson. Genau so gut beraten würde ich mich gerne wieder in mancherlei Fragen fühlen.
Ich könnte jetzt ganz sachlich zu mir selber sagen: „Komm A.!, wenn du es dir jetzt schon wünschenswert vorstellst, mit dir zu Hause zu sitzen und Stimmen zu hören, wäre es vielleicht einfach Zeit wieder unter Leute zu gehen!“ – aber das ist es nicht. Mir fehlt dieses Gefühl, die Dinge auf befriedigender Art mit mir selber abzumachen. Das klappt in letzter Zeit nicht so recht.
Da gibt es ein, zwei brennende Themen, die eigentlich immer wieder den gleichen Fehlerquellen zuzuordnen sind:
Erstens: dieses obsessive Verlangen, mich wenn dann immer sehr hoffnungslos zu verlieben.
Zweitens: die Aufregung über meinen Arbeitsplatz und über die Frage, ob ich die Richtige für diesen Job bin.
Es müsste einfach ein kleines Persönchen da sein, wie Herr Nilson früher, dass sich einschaltet, damit ich nicht immer gleichermaßen monotonen wie unsinnigen Gedanken verfalle, wie zum Beispiel:
„Es könnte ja sein, dass dieser Typ (dem ich so verfallen bin) einfach so ist, und sich nur etwas unfreundlich verhält, weil es eben seinem Wesen entspricht, dass er mich aber trotzdem sehr gut findet.“
Spätestens da müsste ein Herr Nilson (oder eher Dr. Nilson) reagieren, um zu verhindern, dass solche Gedanken bis ins letzte Detail ausgearbeitet werden. Dr. Nilson müsste sagen: „ So einen Schwachsinn hab ich ja noch nie gehört! Wenn einer scheisse zu jemandem ist, dann spricht das doch eher für Desinteresse oder Ablehnung der Person gegenüber – oder?!“
Ich glaube ich stelle wieder einen Nilson ein, der mich etwas anleitet. Und der hatte ja jetzt circa 25 Jahre Zeit sich weiterzuentwickeln und sicher hat er einen Doktor gemacht und ist in der Lage, die kleinen Problemchen einer Amoitie mit analytischem Sachverstand zu kommentieren.
Er wird genau der richtige sein, die paradoxe Verknüpfung von Verstand und Gefühl, etwas zu entwirren. Denn wenn man diese Beiden Mal eigenständig arbeiten lässt, ohne dass der eine den Anderen versucht auszutricksen, dann könnte es zu einer sehr fortschrittlichen Entwicklung kommen, in der sich beide Parteien positiv beeinflussen, anstatt sich dauernd zu diskriminieren.
Ich werde ihn bitten mir gleich heute Abend, wenn ich wie so oft abends am Fenster stehe, auf die herrlichen Hinterhöfe blicke und Wein trinke, mir ein bisschen Gesellschaft zu leisten.
Fettnäpfchen olé!
April 20, 2008
Also ich habe solche Angst. Ganz grauenhaft ist das. Mein Selbstbewußtsein ist einfach ganz ganz klein geworden und schwups ist es vielleicht durch eine Ritze im Boden verschwunden und ich hab aber wirklich keine Idee wann und woher ich ein Neues bekomme oder wie ich das Alte wieder finden soll.
Und das fatale ist: Etwas Nichtvorhandenes kann man auch nicht mit hübschen Kleidchen und Jäckchen schmücken, um es etwas aufzupäppeln. Nein – es ist einfach im Augenblick alles sinnlos. Kommt mir so vor. Ich kann nichts machen. Außer mit diesem unguten Gefühl im Magen abzuwarten was passiert.
Ich glaube dieses auf Miniformat geschrumpfte Mistding muss irgendwann Freitagnacht entwischt sein. Genau dann als sich schon die Vorzeichen eines enormen Rotweinrauschs eingestellt haben. Es ist einfach nichts für mich auszugehen. Nein, für jemanden wie mich ist es besser gepflegt zu Hause zu bleiben und die Zeit mit lesen oder so etwas zu verbringen.
Es war absolut sinnlos, um elf Uhr abends und schon so voll wie eine Haubitze mit meiner Freundin Mathilde auf eine Party zu gehen. Noch dazu eine Künstlerparty–so was sollte man vermeiden, wenn es einem schon mit so einer Beschreibung sozugagen als Event verkauft wird. Aber immer hin wurden mir zwei Telefonnummern überreicht. Die edlen Spender waren sogar männlich und sind direkt auf mich aufmerksam geworden, als ich eine halbe Portion Sahne-Lauchsuppe über den Rock einer sehr adretten Dame verschüttet und mit unerschütterlicher Gelassenheit (ich war schon durch entsetzliche Mengen Rotwein sediert) auf dieses Ereignis reagiert habe.
Ich war schon etwas über das Alter dieser Interessenten erstaunt, aber was noch verwunderlicher ist, dass ältere Männer auf Suppenmissgeschicke stehen. Mir ist schon vor längerer Zeit aufgefallen, dass besonders Männer ab fünfzig und aufwärts Interesse an mir zeigen, aber jetzt weiß ich ja wies funktioniert. Einfach ordentlich mit Suppe um sich schmeißen und dann möglichst fettnäpfchenignorantes Verhalten an den Tag legen und schon hat man eine Schar reife Herren um sich, die immerhin einem sehr aufmerksames Interesse an einem bekunden. Vielleicht sollte ich darauf zurückkommen, wenn es mir weiterhin mit großer Sicherheit gelingt Männer, die Altersmäßig meiner Zielgruppe entsprechen, für temporäre Fickaufenthalte anzuziehen, wie ein Feriengebiet.
Mit der überaus unangenehmen Gesellschaft von Rotweinrausch habe ich gestern den ganzen Tag im Bett verbracht und ab und zu geweint. Ich dämlicher Suffkopp! – Das darf in solchen Zeiten nicht noch mal passieren. Bis ich wieder durch irgendwelche Erfolgserlebnisse (und ich weiß absolut nicht, wie die zu Stande kommen sollen) oder vielleicht eine frische Frühlingsliebe oder, oder…
Ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass ich nur durch Urlaub oder Kündigung gerettet werden kann. Die Arbeit… Huch!
…Was ist das. Das habe ich noch nie gesehen! Da ist gerade ein ganz verrücktes Fensterchen aufgetaucht, winzig klein und es befindet sich ein ein Männchen in Gestalt eines Veralteten Compters darin und tanzt und sagt ich könnte hier einen Text eingeben, den ich suche. Verdammt! So ein kleines Fenster bräuchte ich doch für etwas ganz anders, dass ich verloren habe. Komisch! Es ist immer noch da das Fenster. Und jetzt eben hatte es ganz kurz eine Glühbirne. Er scheint sich Office Assistent zu nennen und offenbar langweilt es sich jetzt, weil ich hier mit meinen verquollenen Sonntagsaugenringen, fast bewegungslos vor dem Bilschirm vegetiere. Der kleine Computer signalisiert durch unruhiges Hinundhergelaufe in seinem Fenster, dass er nichts zu tun hat. Na ja, da kann ich jetzt auch nicht weiterhelfen.
Bevor ich die ganze nächste Woche wieder eingesperrt bin, will ich lieber nochmal raus gehen. Im Moment gibt es gefühlt keinen unangenehmeren Platz, als die Arbeit. Es ist aber auch verzwickt. Mein Kollege, mit dem ich jeden Tag zusammen arbeite hat auch die letzte Zeit ein bißchen daran mitgearbeitet, das dieses Selbstbewusstsein es so schwer hatte, dass es es scheinbar leid war seine Tätigkeit ordnungsgemäß auszuüben und seinen bisher nicht lokalisierbaren Ort in aMoitie verlassen hat. Aber wie das alles genau zusammenhängt muss ich noch herausfinden.
Jetzt geh ich erst mal eine Runde in die Sonne, Vielleicht findet sich ja da unten am Rhein irgendwas, was sich an der verlassenen Stelle, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Magen befindet, einbauen lässt.
Hab ich neulich irgendwo gelesen. Genauso optimistisch sollte man an die Sache herangehen, falls man sich nicht gerade Schwarzwald befindet, sondern auf einem kleinen Ausflug durch das Leben als Single. Nur leider lande ich immer in besonders blöden Ecken. Und selbst, wenn ich dann feststelle, dass die ein oder andere Gegend es nicht unbedingt Wert ist nochmal aufgesucht zu werden, halte ich mich besonders häufig dort auf. Genau diese Stellen üben eine besondere Anziehungskraft aus. Eine merkwürdige Obsession mich wenn dann wirklich hoffnungslos zu verlieben.
Ist mir gerade erst wieder passiert und davor auch schon und ich bin gespannt was als nächstes kommt. Da muss man sich wahrscheinlich nicht überraschen lassen. Es wird bestimmt wieder eins dieser emotionalen Verlustgeschäfte. Aber schwebt mir eher so etwas vor, wie den Singleolymp zu erklimmen. So eine Art höchstes Singlestadium, das von permanenter Bedürfnislosigkeit gekennzeichnet ist. Wer da oben logiert, der strahlt so etwas aus, wie Verheiratete. Also genau das Gegenteil vor mir. Mir sieht man es bestimmt an, dass ich die ganze Zeit damit beschäftigt bin Friedenstruppen vom Verstand an die Hormone zu schicken, um auf Erlösung zu warten. Und wenn man so angestrengt mit Truppenleitung beschäftigt ist, wird es einem Angesehen, als trüge man eine Uniform.
Egal, fahr ich eben heute schön mit meiner Ich-würde-gerne-dringend-Händchen-haltend-die Museumsinsel-entlang-taumeln-Uniform Berlin und werde dort mit einer alten Anna irgendetwas gutes unternehmen. Anna prophezeit schon seit Jahren, als einsame Dame mit Dackel zu enden, weil es außerhalb Ihrer Vorstellungskraft liegt sich irgendwann noch mal erfolgreich zu verlieben. Vielleicht ist das die Taktik, um sich ohne lästige Uniform durch die absonderlichsten Männergenres zu arbeiten. Denn eigentlich gibt es bei ihr immer eine Männergeschichte, die entweder aktuell oder gerade erst zu Ende ist, weil sie sich doch für eienen Anderen entschieden hat. Es gab schon die absonderlichsten Typen, von denen sie immer gleich strahlend berichtet. Vom Porsche fahrenden Mathematiker mit ausgeprägter Tierliebe, bis zum postavangardistischen Coutrystar. Bin gespannt auf das neuste Abenteuer, das ihren Weg zum Dackeldamenolymp gerade säumt. Hier eine kleine Vorschau auf das Gespräch, dass heute Abend beim Mädchenitaliener stattfinden wird. „Hey aMoitie – Du ich hab da einen so interessanten Typen kennen gelernt. Und so abgefahren! Er ist Einzelhändler und leitet ein Büro für Sportwetten. Außerdem vertritt es die Ansichten von Samuel Hahnemann und sammelt Überraschungseifiguren.“
Nein – ganz so kontrovers, werden die Facetten seines Wesens vielleicht doch nicht zusammen komponiert sein, aber man muss sich da immer auf einiges gefasst machen. Mal sehn..
Osterdekorationen werden prämiert.
April 9, 2008
Ach, ein bisschen freu ich mich schon auf die Fahrt nach Berlin, obwohl ich noch nicht sicher bin das es richtig war das Nintendo dagegen zu tauschen. Aber erst mal genieße ich noch die herrlichen Tage bei der Arbeit. Es passiert ganz selten, dass man mal eine geruhsame – ja behagliche Woche verbringen kann. Es handelt nämlich bei meiner Arbeit um Werbung und in einer Werbeagentur schlendert man nicht gemächlich durch dann Tag, sondern man galoppiert. Das gehört zum guten Ton.
Heute ist aber der ein oder andere Mitarbeiter ganz dreist erst um halb elf eingetrudelt. Denn wenn die Katze aus dem Haus ist…
Die Chefs sind nämlich fast alle nicht da, weil sie beim ADC in den Jurys tagen. Und das noch die ganze restliche Woche lang. Der ADC ist die Olympiade der Werbung, die dazu dient, dass sich die Mitarbeiter und ihre Agenturen sich untereinander messen können. Nur, dass es nicht nur einer Olympiade für Werber gibt, sondern gleich ganz viele. Jedes Land veranstaltet gleich mehrere Olympiaden die auch noch jedes Jahr stattfinden. Dieses Wochenende werden die Medaillen für Deutschland vergeben. Es herrscht ein komplexes System, was die Teilnahme an der Werbeolympiade betrifft.
Eigentlich treten die Agenturen mit den Kampagnen an, die sie für ihre Kunden ersonnen und produziert haben. Aber so einfach ist es nicht. Die Güte so einer Kampagne wird nämlich an ihrer Kreativität gemessen und nur wenn sich die Kampagne durch ein hohes Maß Phantasie auszeichnet, wird sie mit einer Medaille gekürt. Das ist problematisch, weil die Kunden, der Werbeagenturen, gar nicht so großartig viel Wert auf Phantasie legen. Man kann es mit Mode vergleichen. Das was auf dem Laufsteg Applaus erntet, wird auf der Kleiderstange beim Peek und Cloppenburg eher für eine opulente Osterdekoration gehalten. Deswegen werden oftmals extra Kampagnen hergestellt, die nur dafür da sind zu sämtlichen Olympiaden geschickt zu werden. Werbeagentursklaven arbeiten nachts daran und kratzen mit ihren Mäuschen vor lauter Fleis ganz tiefe Furchen in die Resopaloberflächen ihrer Schreibtische.
Aber hin oder Her. Heute sind also die leitenden Angestellten der Werbeabteilungen unterwegs, um die gesammelten Ostergestecke zu sichten. Und die Krativteams, die das ganze Jahr emsig in ihren Batterien die passenden Eier dafür gelegt haben, sind allein in ihren Käfigen und können es sich mal gemütlich machen und ein bißchen Blog schreiben.
Schluss mit dem virtuellen Pilze-GeEsse!
April 8, 2008
Ich hab das wirklich gemacht. Hab einfach das Nintendo verkauft. Ich glaube jetzt werde ich wirklich erwachsen. Ich nähere mich mit sicheren Schritten der Generation Granufink, die sich damit begnügt sich, bewegungslos im Sessel sitzend, vom Fernsehn berieseln zu lassen. Und die es im Urlaub schon mal ins Erzgebirge verschlägt.
Ab jetzt werde ich nicht mehr fröhlich mit Mario von Level zu Level hopsen und meinen Geist der Suche nach gelben Münzen verschreiben. Ein bisschen traurig bin ich schon. Abgesehen davon werde ich mich nach der Arbeit nicht mehr dem Stress aussetzten können, den die Suche nach diesen Münzen auf mich ausgewirkt hat. Wirklich – es hat sich angefühlt, als würde man nach 14 Stunden Arbeit gleich im Anschluss noch eine Klassenarbeit schreiben. Damit ist Schluss. Auch mit dem virtuellen Pilze-GeEsse, von den man dann ganz klein oder auch übermächtig groß wird.
Stattdessen werde ich von dem Geld das Wochenende in Berlin verbringen. Und dort mal ins Museum gehen. Das ist doch etwas. Statt mich im Schlafanzug schwitzend bis nachmittags im Bett von Level zu Level zu hetzen, werde ich kultiviert und vollkommen bekleidet durch die Hauptstadt trippeln. Es ist noch nicht ganz das Erzgebirge, aber vielleicht kommt das auch noch. Mal sehn was ich noch so verschachern könnte. Vielleicht tausche ich den Laptop gegen einen kleinen Trip ins Erzgebirge und MP3-Player gegen ein Heizdecke.
Doch nicht so toll.
April 8, 2008
Hatte ich mir das nicht anders vorgestellt? Dieses postgraduelle Leben. Doch hatte ich. Ich dachte es könnte nicht unkomfortabler werden – nach dem Leben in dem man sein Rad in überfüllte Fahrradständer vor der Uni quetschen muss, nachdem man gerade den 50tausendsten Kaffe gegen ein minimales Trinkgeld an einen Tisch geschleppt hat.
Ja–ich dachte mir, dass dann irgendwie Ruhe –na ja… –oder eher so was wie Rhythmus einkehrt. Das Leben mit einem einzigen Beruf für den man bezahlt wird, weil dessen Ausübung durch mehrere Jahre als Student gründlich vorbereitet hat. Wirklich! Ich ging davon aus, dass das besser sein müsste, als dieses Heranschaffen von Scheinen, um das Recht zu haben sich mit einer Diplomarbeit abzurackern. Um dann knietief im Unrat zu warten zu Hause, weil man die Trödelei der ersten vergeudeten Monate nach der Anmeldung dieses Irrsinns wieder aufholen muss. Eine Zeit in der man auf die Taschengelder der Eltern bauen muss, um sich dann bei Penny mit Toastbrot einzudecken, damit die Ausgaben in der Mittagspause für einen Döner gespart werden. Und das auch nur weil man ausgerechnet nicht als Ökonom geboren wurde und sich irgendwann mitten im letzten Semester eine Fahrt nach Cannes inklusive dem Erwerb gleich mehrerer Sommerkleider gegönnt hat.
In diese Zeit schien mir nichts erstrebenswerter als nur einen Job zu haben und sich eben genau nur darauf zu konzentrieren. Und von einem Monatsgehalt zu profitieren, welches es einem ermöglicht seien Urlaub nicht zum Aufbessern seines H&M Etats durch das Lackieren von Heizkörpern zu verschwenden. Sozusagen eine Welt in der man nichts machen muss außer zu Arbeiten und die Freizeit mit Freizeit zu verbringen. Aber es hat sich alles etwas anders entwickelt. Mist. Denn überraschenderweise ist das alles jetzt wesentlich komplizierter und auch doch wesentlich anstrengender, als vermutet.