Fettnäpfchen olé!

April 20, 2008

Also ich habe solche Angst. Ganz grauenhaft ist das. Mein Selbstbewußtsein ist einfach ganz ganz klein geworden und schwups ist es vielleicht durch eine Ritze im Boden verschwunden und ich hab aber wirklich keine Idee wann und woher ich ein Neues bekomme oder wie ich das Alte wieder finden soll.
Und das fatale ist: Etwas Nichtvorhandenes kann man auch nicht mit hübschen Kleidchen und Jäckchen schmücken, um es etwas aufzupäppeln. Nein – es ist einfach im Augenblick alles sinnlos. Kommt mir so vor. Ich kann nichts machen. Außer mit diesem unguten Gefühl im Magen abzuwarten was passiert.
Ich glaube dieses auf Miniformat geschrumpfte Mistding muss irgendwann Freitagnacht entwischt sein. Genau dann als sich schon die Vorzeichen eines enormen Rotweinrauschs eingestellt haben. Es ist einfach nichts für mich auszugehen. Nein, für jemanden wie mich ist es besser gepflegt zu Hause zu bleiben und die Zeit mit lesen oder so etwas zu verbringen.
Es war absolut sinnlos, um elf Uhr abends und schon so voll wie eine Haubitze mit meiner Freundin Mathilde auf eine Party zu gehen. Noch dazu eine Künstlerparty–so was sollte man vermeiden, wenn es einem schon mit so einer Beschreibung sozugagen als Event verkauft wird. Aber immer hin wurden mir zwei Telefonnummern überreicht. Die edlen Spender waren sogar männlich und sind direkt auf mich aufmerksam geworden, als ich eine halbe Portion Sahne-Lauchsuppe über den Rock einer sehr adretten Dame verschüttet und mit unerschütterlicher Gelassenheit (ich war schon durch entsetzliche Mengen Rotwein sediert) auf dieses Ereignis reagiert habe.

Ich war schon etwas über das Alter dieser Interessenten erstaunt, aber was noch verwunderlicher ist, dass ältere Männer auf Suppenmissgeschicke stehen. Mir ist schon vor längerer Zeit aufgefallen, dass besonders Männer ab fünfzig und aufwärts Interesse an mir zeigen, aber jetzt weiß ich ja wies funktioniert. Einfach ordentlich mit Suppe um sich schmeißen und dann möglichst fettnäpfchenignorantes Verhalten an den Tag legen und schon hat man eine Schar reife Herren um sich, die immerhin einem sehr aufmerksames Interesse an einem bekunden. Vielleicht sollte ich darauf zurückkommen, wenn es mir weiterhin mit großer Sicherheit gelingt Männer, die Altersmäßig meiner Zielgruppe entsprechen, für temporäre Fickaufenthalte anzuziehen, wie ein Feriengebiet.

Mit der überaus unangenehmen Gesellschaft von Rotweinrausch habe ich gestern den ganzen Tag im Bett verbracht und ab und zu geweint. Ich dämlicher Suffkopp! – Das darf in solchen Zeiten nicht noch mal passieren. Bis ich wieder durch irgendwelche Erfolgserlebnisse (und ich weiß absolut nicht, wie die zu Stande kommen sollen) oder vielleicht eine frische Frühlingsliebe oder, oder…
Ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass ich nur durch Urlaub oder Kündigung gerettet werden kann. Die Arbeit… Huch!

…Was ist das. Das habe ich noch nie gesehen! Da ist gerade ein ganz verrücktes Fensterchen aufgetaucht, winzig klein und es befindet sich ein ein Männchen in Gestalt eines Veralteten Compters darin und tanzt und sagt ich könnte hier einen Text eingeben, den ich suche. Verdammt! So ein kleines Fenster bräuchte ich doch für etwas ganz anders, dass ich verloren habe. Komisch! Es ist immer noch da das Fenster. Und jetzt eben hatte es ganz kurz eine Glühbirne. Er scheint sich Office Assistent zu nennen und offenbar langweilt es sich jetzt, weil ich hier mit meinen verquollenen Sonntagsaugenringen, fast bewegungslos vor dem Bilschirm vegetiere. Der kleine Computer signalisiert durch unruhiges Hinundhergelaufe in seinem Fenster, dass er nichts zu tun hat. Na ja, da kann ich jetzt auch nicht weiterhelfen.

Bevor ich die ganze nächste Woche wieder eingesperrt bin, will ich lieber nochmal raus gehen. Im Moment gibt es gefühlt keinen unangenehmeren Platz, als die Arbeit. Es ist aber auch verzwickt. Mein Kollege, mit dem ich jeden Tag zusammen arbeite hat auch die letzte Zeit ein bißchen daran mitgearbeitet, das dieses Selbstbewusstsein es so schwer hatte, dass es es scheinbar leid war seine Tätigkeit ordnungsgemäß auszuüben und seinen bisher nicht lokalisierbaren Ort in aMoitie verlassen hat. Aber wie das alles genau zusammenhängt muss ich noch herausfinden.
Jetzt geh ich erst mal eine Runde in die Sonne, Vielleicht findet sich ja da unten am Rhein irgendwas, was sich an der verlassenen Stelle, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im Magen befindet, einbauen lässt.

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