Selbstgespräche

April 27, 2008

Mehr und mehr habe ich das Gefühl ich bräuchte so eine Art Freund oder Begleiter, wie ich sie in zahlreicher Form früher hatte. Man stellte sich vor, man wäre einfach nicht allein, wenn es was zu besprechen gab und diskutierte wichtige Themen mit einer hergedachten Person. Damals konnte es entweder jemand sein, den es in Wirklichkeit gab, oder den man aus Büchern kannte und bewunderte. So hatte ich zum Beispiel einen Regen Austausch mit David Hasselhoff, bzw. Michael Knight, von dem ich einiges hielt. Wir tauschten unsere Meinungen darüber aus, ob man Plakafarbe in die kleinen Armaturen des Playmobil-Zirkuswagens schütten sollte oder lieber nicht, um Ärger wegen der Sauerei und Spielzeugsentwürdigung zu vermeiden.

Jedenfalls erinnere ich mich an das selige Gefühl, Dinge, die mich beschäftigten mit den richtigen Personen auf gebührende Weise abzuhandeln. Oft hatte ich auch Gespräche mit Lisa aus Bullerbü oder Pipis Äffchen Herr Nilson. Genau so gut beraten würde ich mich gerne wieder in mancherlei Fragen fühlen.
Ich könnte jetzt ganz sachlich zu mir selber sagen: „Komm A.!, wenn du es dir jetzt schon wünschenswert vorstellst, mit dir zu Hause zu sitzen und Stimmen zu hören, wäre es vielleicht einfach Zeit wieder unter Leute zu gehen!“ – aber das ist es nicht. Mir fehlt dieses Gefühl, die Dinge auf befriedigender Art mit mir selber abzumachen. Das klappt in letzter Zeit nicht so recht.

Da gibt es ein, zwei brennende Themen, die eigentlich immer wieder den gleichen Fehlerquellen zuzuordnen sind:

Erstens: dieses obsessive Verlangen, mich wenn dann immer sehr hoffnungslos zu verlieben.

Zweitens: die Aufregung über meinen Arbeitsplatz und über die Frage, ob ich die Richtige für diesen Job bin.

Es müsste einfach ein kleines Persönchen da sein, wie Herr Nilson früher, dass sich einschaltet, damit ich nicht immer gleichermaßen monotonen wie unsinnigen Gedanken verfalle, wie zum Beispiel:

„Es könnte ja sein, dass dieser Typ (dem ich so verfallen bin) einfach so ist, und sich nur etwas unfreundlich verhält, weil es eben seinem Wesen entspricht, dass er mich aber trotzdem sehr gut findet.“
Spätestens da müsste ein Herr Nilson (oder eher Dr. Nilson) reagieren, um zu verhindern, dass solche Gedanken bis ins letzte Detail ausgearbeitet werden. Dr. Nilson müsste sagen: „ So einen Schwachsinn hab ich ja noch nie gehört! Wenn einer scheisse zu jemandem ist, dann spricht das doch eher für Desinteresse oder Ablehnung der Person gegenüber – oder?!“

Ich glaube ich stelle wieder einen Nilson ein, der mich etwas anleitet. Und der hatte ja jetzt circa 25 Jahre Zeit sich weiterzuentwickeln und sicher hat er einen Doktor gemacht und ist in der Lage, die kleinen Problemchen einer Amoitie mit analytischem Sachverstand zu kommentieren.

Er wird genau der richtige sein, die paradoxe Verknüpfung von Verstand und Gefühl, etwas zu entwirren. Denn wenn man diese Beiden Mal eigenständig arbeiten lässt, ohne dass der eine den Anderen versucht auszutricksen, dann könnte es zu einer sehr fortschrittlichen Entwicklung kommen, in der sich beide Parteien positiv beeinflussen, anstatt sich dauernd zu diskriminieren.

Ich werde ihn bitten mir gleich heute Abend, wenn ich wie so oft abends am Fenster stehe, auf die herrlichen Hinterhöfe blicke und Wein trinke, mir ein bisschen Gesellschaft zu leisten.