Ach, wenn ich mich doch nur auch so ambitioniert, wie manch anderer Juniorwerber in die workoholicdurchflutete Verkaufsförderungsbranche stürzen könnte, ohne wehleidig um die zahlreich verpassten Mußestunden zu trauern.
Aber ich schaffe es einfach nicht. Ich habe anscheinend ein äußerst dominant veranlagtes Freizeitgen, dass mir in die Quere kommt. Dieser Mangel paart sich dann ausgerechnet mit einer Tendenz zu unvernünftigem, voreiligem Dahergeplapper. Damit meine ich, dass mir Dinge in unpassenden Momenten von der Zunge hüpfen, bei denen mir erst kurz nachdem sie ausgesprochen wurden auffällt, dass hier eine selbstschützende Zensurfunktion hätte greifen müssen.
Diese Eigenheit scheint mir absolut karriereunförderlich und es wäre gut da ein bisschen dran zu arbeiten. Das werde ich wohl tun müssen.
Neulich; es war Freitag um sieben Uhr abends, habe ich – wohlgemerkt nachdem alles erledigt war – tatsächlich einem Creative Director gegenüber geäußert, dass man dann ja wohl Feierabend machen könnte, und um das zu untermauern (ganz großer Fehler) habe ich noch gewisse Freizeitfantasien für diesen Abend preisgegeben. Und zum krönenden Abschluss hinzugefügt, (das war absolut daneben und nicht nur leichtsinnig, sondern wirklich entsetzlich dämlich und eben einer von diesen eben beschrieben Ausrutschern) dass es sich ja schon um Überstunden handelt, bei der fortgeschrittenen Uhrzeit (ist natürlich Quatsch und es war ja auch erst sieben Uhr, was ja sozusagen die Mittagsstunde für einen guten Werber ist).

Naja, da muss man sich nicht wundern. Es ist auch nicht bei durch Augen verdrehen, gesteigertem Kopfschütteln seitens des CD´s geblieben. Ist ja klar. Jemand, der so was sagt, wird selbstverständlich sofort von der Werbestasi, als regimefeindlich ausgemustert. Mir wurde natürlich, sofort vorgeschlagen zu überdenken, ob dieser Job das Richtige für mich wäre und eigentlich bräuchte man gar nicht erst in die Werbung zu gehen, wenn man keine Lust hätte zu arbeiten. Zack! Das saß.
Und statt, dann endlich die Klappe zu halten, habe ich dann auch noch angefangen zu philosophieren, wie gut mir die Arbeit gefiele, bis eben auf die Arbeitszeiten. Stimmt ja auch. Aber wenn interessiert so was. Werbung ist eben keine normale Arbeit, sondern so eine Art Lebensstil und wem der nicht gefällt, hat eben Pech.

Heute sah allerdings alles schon wieder anders aus. Ganz so ernst scheint es dem CD mit der Werberethik doch nicht zu sein. Heute wurde man von ihm ganz pädagogisch, darauf hingewiesen, dass ja doch einiges zu tun wär und er gäbe nur zu bedenken, dass es sich beim ersten Mai ja um den Tag der Arbeit handle.
Und mit diesen Worten verlies er um halb sieben die Agentur, um im Bistrowagen Weizenbier schlürfend nach Hamburg zu rasen, um von dort einen kleinen Kurzurlaub nach Ibiza anzutreten. Somit hat sich der sich der Text-CD dem Executive Creative Director, der zur Zeit irgendwo in Mexico rumgolft, angeschlossen und beide sind bis einen Tag vor der nächsten großen Präsentation im Urlaub.