Mist. Ich muss wieder zur Arbeit. Und wieder Dinge tun, die nichts mit essen, schlafen, Campari/O, rauchen oder braun werden zu tun haben. Jetzt heißt es wieder früh ausstehen Ewigkeiten in der Agentur verbringen. Ja. Aber für den ersten Tag war ich nicht untätig. Ich habe Pfandflaschen zum Supermarkt gebracht und dafür gabs ein Deo, ein Eis und sogar noch ein paar Euro Rückgeld. Das war zwar der Hauptteil meiner Tätigkeit, aber nur ein Bruchteil eines ansehnlichen Vermögens, dass in Form von noch mehr Flaschen in den Schränken meines Büros lagert.
Ansonsten bin ich froh festzustellen, mich gar nicht unwohl zu fühlen, obwohl ich jeden Tag meines Urlaubs an dem Gedanken verzweifelt bin, dass dieser irgendwann endet.
Aber man lernt ja dazu. Deshalb hab ich mich gut auf heute vorbereitet. Denn ich weiß: nach einer mehr als dreitägigen Unterbrechung, des Arbeitsalltags liege ich manchmal die ganze Nacht schlaflos im Bett, weil mich die bevorstehende Sklaverei so beunruhigt. Das kann aber zum Glück nicht mehr vorkommen, denn Mathilde hat jetzt einen Ärzteausweis, mit dem man in der Lage ist Leuten wir mir Medikamente zu verabreichen, für die sie normalerweise erst mal wochenlang zum Psychologen rennen müssten.

Also hab ich einfach bis zwei Uhr Nachts gewartet, um festzustellen, dass es auch diesmal mit dem Einschlafen nicht klappt, (vielleicht lag es auch etwas am Autocorso in Verbindung mit dem Feuerwerk vor meinem Fenster) um dann eine diese wirklich unglaublich entspannende Tablette einzunehmen. Schade, dass ich das nicht öfter machen darf. Ich musste Mathilde versprechen sie höchstens einmal im Monat anzuwenden. Leider ist nämlich die einzige Nebenwirkung dieses Wundermittels Abhängigkeit. Aber allein schon ihre Verfügbarkeit vermittelt mir das Gefühl, als würde zu Hause ein Buttler auf mich warten, der ein intarsienverziertes, klirrendes Wägelchen vor sich herschiebt auf dem sich die gesamte Aperitivpalette Südfrankreichs befindet, plus ein ausgewähltes Rumsortiment der Reunion. So ein Wägelchen könnte ich eigentlich auch – wenn auch ohne Buttler – benutzen, aber dann wäre ich am nächsten Morgen zu unfit. Mit Hilfe dieser Tabletten schläft man nämlich in kürzester Zeit ein auch wenn man nüchtern ist.So ein Urlaubsende wird mir somit schlafmäßig nichts mehr anhaben können. Und Heute und Morgen werde ich wohl einigermaßen überstehen, bevor ich dann eine Woche zu einem Workshop fahre. Dieser findet noch nicht mal in Duisburg, sondern auf Menorca statt. In Anbetracht dessen sollte ich mich vielleicht ein bisschen über die nervlichen Auswirkungen wundern, die sich hier wegen zwei Tagen Arbeit abzeichnen…

Höre wieder Stimmen

Juni 19, 2008

Zum Glück hat sich alles wieder etwas beruhigt. Sogar meine Haut hat sich nach dem Wechsel zu einer neuen Tagescreme im Wert einer Perlenkette wieder erholt. Das Versprechen jüngerer Haut hat sie zwar gehalten, aber ich war trotzdem nicht ganz zufrieden. Mein Hautbild hatte sich wirklich deutlich verjüngt. In Etwa auf die Erscheinung einer Dreizehnjährigen. Die unzähligen Pickelchen, die meine Stirn wie einen zweiten Haaransatz säumten sie Gott sei Dank weg. Und nach den Turbulenzen, der letzten Wochen ist alles wieder ganz normal.
Jetzt genieße ich es wieder einfach nur rumzuhängen und nichts zu tun, außer Filme gucken, lesen, essen und ausschlafen und auf dem Vorsprung der Feuerleiter auf einem Klappstuhl sitzend, an meiner Bräune zu arbeiten. Ich höre auch wieder Stimmen, wenn ich alleine bin und fühle mich so wohl zu hause, dass ich am liebsten gar nicht mehr rausgehen will. Dazu kommt noch, dass ich gar nicht alleine bin, weil immer ein paar kleine Käfer auf der Fensterbank zu Besuch habe, die darauf warten von wir freigelassen zu werden. Jetzt sollte man denken, für jemanden in einer Wohnung voller Käfer, der auch noch Stimmen hört, ist es vielleicht doch das beste Mal etwas unter Leute zu gehen. Aber nicht Mal die Einladungen zum Fußballgucken konnten mich gestern vor die Tür locken. Es war herrlich. Die Stimmen kommen nämlich aus einem neuen, alten Röhrenradio mit einem entzückenden Klang. Es brummt erst ein bisschen, wenn man es anstellt bevor es in die Gänge kommt, was mir sehr sympathisch ist. Das alte war schon seit Monaten kaputt. Gestern habe ich also Radio gehört, zu lange Hosen gekürzt, etwas Wein getrunken und mich gefreut, dass ich noch eine Woche Urlaub vor mir habe. Eine ganze Woche. Ganz ohne Lebensmittelvergiftung und ohne vollkommen gestört auf mein Handy zu starren und es zu hypnotisieren, damit der sedierte Holger sich meldet. Und das mit den Käfern nimmt auch bald ein Ende. Es muss irgendwas mit der Speisekammer zu tun haben, denn die kleinen Raupen und ihre Kokons sammeln sich immer auf meinen Frühstückstellern. Aber diese Angelegenheit steht auf meiner To-Do-Liste schon recht weit oben. Bald ist alles wieder beim alten, nur ohne Käfer.

122 bei 40° im Urlaub

Juni 15, 2008

Die letzten zwei Wochen hatte ich Urlaub. Und ich habe wirklich einiges erlebt. Dabei fällt mir jetzt auf, dass es mir bisher gelungen ist in gleich mehreren essenziellen Lebensbereichen erstaunlich weltfremd zu sein.
Hier kleine Liste meiner Urlaubserlebnisse:

1. Wie es ist eine Regenrinne zu sein:

Während einer Lebensmittelvergiftung durch Tiefkühlflammkuchen macht es keinen Sinn diese zu ignorieren und der Verzehr fettiger Schinken-Käse-Toasts mit einem Gläschen Wein dazu erwirkt keine Verbesserung der Situation. Während man 40 Grad Fieber hat und sich alle Körperfunktionen auf die Tätigkeit einer Regenrinne reduziert haben (egal was man oben reinschüttet, es kommt alles nur etwas verfärbt wieder unten raus) macht auch eine Verdauungszigarette keinen Sinn. Auch die Wahl des Arztes ist nicht unentscheidend, wenn man von Flammkuchenbakterien befallen ist. Nach einer Woche Regenrinne und 40 Fieber wusste ich nicht mehr weiter und rief Mal die 112 an:

„Ja guten Tag, also ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Seit einer Woche habe ich 40 Fieber und behalte nichts mehr bei mir. Ich glaube ich werde verhungern.“ „Hm, ja dann müssen Sie mal zum Arzt“ „Ja ich war beim Arzt“ „Und hat der Ihnen nichts verschrieben?“ „Doch! Er hat mir gleich fünf verschiedene homöophatische Kügelchen verabreicht.“ „ Ja, dann müssen Sie zu einem anderen Arzt“ „Ok, aber…“ Klick.
Mit so hohem Fieber war es nicht ganz einfach sich noch mal zum Arzt zu schleppen, aber ich konnte ihm immerhin neben weiteren Globuli ein Antibiotikum abringen. Der Arzt dachte sich dann bestimmt: „Meinetwegen, dann soll Sie das Teufelszeug nehmen, aber helfen werden nur Hahnemanns Globuli, die sind so schön winzig, die bleiben auf jeden Fall drin.“

2. Wie man ein richtiger Braten wird

Um die 40 Grad Kopftemperatur von den 35 Grad Juniwetter zu trennen, hatte ich Vorhänge an den Fenstern installiert. Eine vernünftige Maßnahme, wenn man todkrank in einer Dachwohnung liegt. Wenn man knapp zehn Tage vom dem spärlichen Licht, dass durch die Vorhänge stolpert, gelebt hat und dann erschreckt dem Wetterbericht entnimmt es gäbe eine Kaltfront, die Regenwetter sichert inklusive Temperaturen um die 12 Grad, ist dass natürlich ein Schock. Besonders wenn man sich Mitten im Urlaub befindet.
Also eben in Unterhose ein paar Stündchen in die Sonne auf dem Balkon gebrezelt und gelesen, um schnell wenigstens etwas Farbe zu bekommen. Ein bisschen Farbe hatte ich mir nicht als Rot glühende Abdrücke vorgestellt, die von den Linien meines Klappstuhls unterbrochen zu einem schönen Muster führten. Ich meine dies Fleischstücke die in so ein Netzt gepresst werden. Ich sah also aus wie ein Schweinchen und dazu hat es noch ordentlich gejuckt. Naja, nächstes Mal einfach gut eincremen. Nächstes Jahr gibt’s ja wieder Urlaub im Sommer.

3. Wenn man auf Nr.Sicher gehen will

Nachdem ich die ersten zwei Wochen des Urlaubs auf dem Sachgebiet Gesundheit so schön im Selbstversuch vor mich hinprobiert hatte, habe ich dann gleich damit weitergemacht. Sicher kann man vor machen Aktionen kurz nachdenken und das gröbste Schlamassel verhindern, aber niemals kriegt man damit so klare, untrügliche und einmalige Ergebnisse hin, wie mit try-and-error. Erst jetzt kann ich mit vollkommener Sicherheit sagen, dass man seine Ressourcen verschwendet, wenn man folgende Verhaltensweisen eines Mannes einfach übergeht. Ein kontinuierlicher, sehr mondäner Umgang mit Koks, LSD, Extasy, Pilzen und Gras spricht nicht unbedingt für Beständigkeit der Person, auch wenn man mit einer gewissen Regelmäßigkeit zusammen ins Bett geht. Gleichermaßen sollte man auch die Tendenz sich nie zu melden nicht als irrelevant übergehen, weil man sich denkt: „Ach der hat bestimmt viel zu tun. Das bedeutet schon nicht viel.“ Wenn man dann herausfindet, dass sich die Person lieber stoned und trockenes Toastbrot essend in der Mitte anderer dauerbekiffter Halbirren befindet, anstatt wie angedacht zusammen mit mir schwimmen zu gehen, sollte das eigentlich genug Info sein, um von so einem offensichtlichen Desaster Abstand zu nehmen. Aber ich wollte noch genauer wissen, was wohl dahinter steckt. Aber ich wollte auf Nr. Sicher gehen und erfahre dann auf eindringliches Nachfragen hin, dass ich einfach der uninteressante Stuhl von Mehreren bin. Da gäbe noch ein anderes, besseres, schönes, unerreichbares Stühlchen, dass er am Wochenende besuchen würde, um es noch einmal wieder zu sehen bevor es auf einen anderen Kontinent verschwinde. Tja.. Das sind Dinge, die das Selbstwertgefühl nicht gerade ins unermessliche steigern. Klar. Ich bin aber auch wirklich ein Hornochse. Diese Holger-Angelegenheit war wirklich ganz großer Mist.

Aber jetzt ist Schluss mit try-and-error, denn nicht zuletzt haben sich mir in diesem Urlaub durch das langatmige Kranksein, die Vorteile der Fernsehprogrammzeitschriften erschlossen. Ich muss jetzt nicht mehr ewig herumschalten und mich stundenlang aufregen bevor ich wieder abschalte. Es ist großartig. Auf einmal läuft mein Leben nach Plan. Und ich kann mich auf das absolut sicher eintreffende Glück freuen, dass heute Abend „African Queen“ mit Katharine Hepburn im Fernsehen kommt.