122 bei 40° im Urlaub
Juni 15, 2008
Die letzten zwei Wochen hatte ich Urlaub. Und ich habe wirklich einiges erlebt. Dabei fällt mir jetzt auf, dass es mir bisher gelungen ist in gleich mehreren essenziellen Lebensbereichen erstaunlich weltfremd zu sein.
Hier kleine Liste meiner Urlaubserlebnisse:
1. Wie es ist eine Regenrinne zu sein:
Während einer Lebensmittelvergiftung durch Tiefkühlflammkuchen macht es keinen Sinn diese zu ignorieren und der Verzehr fettiger Schinken-Käse-Toasts mit einem Gläschen Wein dazu erwirkt keine Verbesserung der Situation. Während man 40 Grad Fieber hat und sich alle Körperfunktionen auf die Tätigkeit einer Regenrinne reduziert haben (egal was man oben reinschüttet, es kommt alles nur etwas verfärbt wieder unten raus) macht auch eine Verdauungszigarette keinen Sinn. Auch die Wahl des Arztes ist nicht unentscheidend, wenn man von Flammkuchenbakterien befallen ist. Nach einer Woche Regenrinne und 40 Fieber wusste ich nicht mehr weiter und rief Mal die 112 an:
„Ja guten Tag, also ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Seit einer Woche habe ich 40 Fieber und behalte nichts mehr bei mir. Ich glaube ich werde verhungern.“ „Hm, ja dann müssen Sie mal zum Arzt“ „Ja ich war beim Arzt“ „Und hat der Ihnen nichts verschrieben?“ „Doch! Er hat mir gleich fünf verschiedene homöophatische Kügelchen verabreicht.“ „ Ja, dann müssen Sie zu einem anderen Arzt“ „Ok, aber…“ Klick.
Mit so hohem Fieber war es nicht ganz einfach sich noch mal zum Arzt zu schleppen, aber ich konnte ihm immerhin neben weiteren Globuli ein Antibiotikum abringen. Der Arzt dachte sich dann bestimmt: „Meinetwegen, dann soll Sie das Teufelszeug nehmen, aber helfen werden nur Hahnemanns Globuli, die sind so schön winzig, die bleiben auf jeden Fall drin.“
2. Wie man ein richtiger Braten wird
Um die 40 Grad Kopftemperatur von den 35 Grad Juniwetter zu trennen, hatte ich Vorhänge an den Fenstern installiert. Eine vernünftige Maßnahme, wenn man todkrank in einer Dachwohnung liegt. Wenn man knapp zehn Tage vom dem spärlichen Licht, dass durch die Vorhänge stolpert, gelebt hat und dann erschreckt dem Wetterbericht entnimmt es gäbe eine Kaltfront, die Regenwetter sichert inklusive Temperaturen um die 12 Grad, ist dass natürlich ein Schock. Besonders wenn man sich Mitten im Urlaub befindet.
Also eben in Unterhose ein paar Stündchen in die Sonne auf dem Balkon gebrezelt und gelesen, um schnell wenigstens etwas Farbe zu bekommen. Ein bisschen Farbe hatte ich mir nicht als Rot glühende Abdrücke vorgestellt, die von den Linien meines Klappstuhls unterbrochen zu einem schönen Muster führten. Ich meine dies Fleischstücke die in so ein Netzt gepresst werden. Ich sah also aus wie ein Schweinchen und dazu hat es noch ordentlich gejuckt. Naja, nächstes Mal einfach gut eincremen. Nächstes Jahr gibt’s ja wieder Urlaub im Sommer.
3. Wenn man auf Nr.Sicher gehen will
Nachdem ich die ersten zwei Wochen des Urlaubs auf dem Sachgebiet Gesundheit so schön im Selbstversuch vor mich hinprobiert hatte, habe ich dann gleich damit weitergemacht. Sicher kann man vor machen Aktionen kurz nachdenken und das gröbste Schlamassel verhindern, aber niemals kriegt man damit so klare, untrügliche und einmalige Ergebnisse hin, wie mit try-and-error. Erst jetzt kann ich mit vollkommener Sicherheit sagen, dass man seine Ressourcen verschwendet, wenn man folgende Verhaltensweisen eines Mannes einfach übergeht. Ein kontinuierlicher, sehr mondäner Umgang mit Koks, LSD, Extasy, Pilzen und Gras spricht nicht unbedingt für Beständigkeit der Person, auch wenn man mit einer gewissen Regelmäßigkeit zusammen ins Bett geht. Gleichermaßen sollte man auch die Tendenz sich nie zu melden nicht als irrelevant übergehen, weil man sich denkt: „Ach der hat bestimmt viel zu tun. Das bedeutet schon nicht viel.“ Wenn man dann herausfindet, dass sich die Person lieber stoned und trockenes Toastbrot essend in der Mitte anderer dauerbekiffter Halbirren befindet, anstatt wie angedacht zusammen mit mir schwimmen zu gehen, sollte das eigentlich genug Info sein, um von so einem offensichtlichen Desaster Abstand zu nehmen. Aber ich wollte noch genauer wissen, was wohl dahinter steckt. Aber ich wollte auf Nr. Sicher gehen und erfahre dann auf eindringliches Nachfragen hin, dass ich einfach der uninteressante Stuhl von Mehreren bin. Da gäbe noch ein anderes, besseres, schönes, unerreichbares Stühlchen, dass er am Wochenende besuchen würde, um es noch einmal wieder zu sehen bevor es auf einen anderen Kontinent verschwinde. Tja.. Das sind Dinge, die das Selbstwertgefühl nicht gerade ins unermessliche steigern. Klar. Ich bin aber auch wirklich ein Hornochse. Diese Holger-Angelegenheit war wirklich ganz großer Mist.
Aber jetzt ist Schluss mit try-and-error, denn nicht zuletzt haben sich mir in diesem Urlaub durch das langatmige Kranksein, die Vorteile der Fernsehprogrammzeitschriften erschlossen. Ich muss jetzt nicht mehr ewig herumschalten und mich stundenlang aufregen bevor ich wieder abschalte. Es ist großartig. Auf einmal läuft mein Leben nach Plan. Und ich kann mich auf das absolut sicher eintreffende Glück freuen, dass heute Abend „African Queen“ mit Katharine Hepburn im Fernsehen kommt.