Der Tag nach dem Geburtstag

November 1, 2008

Als ich an diesem Morgen aufwachte, lagen links von mir zwei Leute in meinem Bett und rechts von mir Zwei und quer über unseren fünf paar Füßen, lagen auch noch zwei. Eigentlich hätte ich aufstehen wollen, weil ich dringend aufs Klo gemusst hätte, aber dafür war ich zu eingequetscht und zum Glück noch müde genug noch mal einzuschlafen.
Beim nächsten Mal Aufwachen, lagen nur noch drei Leute mit mir im Bett, weil die anderen inzwischen auf den Boden gerollt waren. Diesmal bin ich zum Klo gegangen, nicht ohne dass mir das Ausmaß der Verwüstung auf dem Weg dahin nicht aufgefallen wäre. Mit verschiedenen Gedanken wie man die Aufräumarbeiten am effektivsten organisieren könnte, schlief ich dann wieder ein.
Als ich dann noch mal aufgewacht bin, musste ich richtig Aufstehen. Zu wenig vorhandene Müdigkeit hätten ein weiteres Fluchteinschlafen vor dem Chaos unmöglich gemacht. Frierend stand ich vor den geöffneten Fenstern. Es war zwar kalt, stank aber trotzdem entsetzlich nach Rauch und Bier. Und bei dem Anblick der Wohnung gingen mir Schätzwerte von vier bis zwölf Stunden Aufräumen durch den Kopf. Das Chaos war zwar schon klar auf Höchstmaß einstufbar, mein körperlicher Zustand aber noch absolut unberechenbar. Und darauf kam es letztendlich an. Denn alle anderen waren jetzt schon weg.

Also fing ich nach einer sehr großen Dosis Aspirin an, vollkommen systemlos und durch sehr wenig zielgerichtete Handgriffe, irgendwie ansatzweise Ordnung herzustellen. Aber mit einem Rotwein-Bierrausch, den man sich durch kontinuierliches, stundenlanges Trinken langsam erarbeitet hat ist das natürlich viel schwieriger, als es eigentlich ist.
So bin ich einige Stunden wie eine epileptische Eidechse, die eigentlich dringend Medikamente bräuchte, durch die Wohnung gehuscht und dabei überall angestoßen. Aber das mit der Unordnung wurde dadurch trotzdem nicht viel besser. Dafür erschloss sich meinem benebelten Bewusstsein aber der Sinn von Oust und anderen Geruchsprodukten. Ja, es stank so abscheulich, dass ich sogar bereit gewesen wäre Räucherstäbchen oder Duftkerzen in meiner Wohnung zu entzünden. Aber so was hat man natürlich nicht. Denn normalerweise hat man ja auch nicht das Problem sich gegen eine Geruchskulisse durchsetzten zu müssen, wie sie normalerweise nur an Orten vorkommt, die Namen tragen wie Heikes Treff oder Mülheimer Eck.
Irgendwann, als es schon dunkel war, kam mir die Idee meine die Bettdecken von dem dreckigen Bettzeug zu trennen, wobei ich mich fragte, ob meine Freunde auch zu Hause mit Schuhen ins Bett gingen. Jedenfalls gelang es mir die ganzen Decken draußen auf dem Vorsprung der Feuerleiter zum Lüften aufzuhängen, was in meiner körperlichen Situation schon etwas Besonderes war. Das blöde daran war nur, dass ich nicht gemerkt habe, dass es kurz drauf anfing zu regnen. Irgendwie hatte ich langsam Lust diesen Ort des Grauens zu verlassen. Jetzt hätte man hier ja noch nicht mal mehr schlafen können.
Duschen vorher ging nicht, weil sich immer noch dreckiges Geschirr in der Dusche stapelte. Und ohne Duschen hätten auch frische Klamotten keinen Sinn gehabt. Also verließ ich das Haus mit dem roten Kleid, dass ich nun schon zum Feiern und zum Schlafen getragen hatte. Nur dass ich darunter noch eine Jogginghose und drüber eine Trainingsjacke und darüber noch einen Parker zog. Außerdem hatte ich in jeder Hand eine große Tüte voll leerer Bierflaschen. Jetzt hatte es sich doch gelohnt noch vom letzten Geld noch soviel Bier zu kaufen, denn so konnte ich die leeren Flaschen gegen Tiefkühlpizza eintauschen. Hätte man nur Rotwein getrunken, wäre das gar nicht möglich gewesen. Und mit der Pizza ging ich nun los die Leute aufzusuchen, die mit ihren Schuhen in meinem Bett geschlafen hatten.

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