Dieses Jahr passiert endlich mal was Neues. Denn diesmal hab ich mich nicht in einen dieser unnahbaren, irrsinnig coolen Typen verliebt, die so cool sind, dass sie sich noch nicht mal dazu eignen näher kennen gelernt zu werden. Und wobei außer wildem Sex nichts rauskommt, außer vielleicht eins dieser emotionalen Verlustgeschäfte, bei denen man sich fragt, wie grenzenlos sich die eigene Unzurechnungsfähigkeit entfalten kann, nur weil man mal guten Sex hat.
Nein. Diesmal lief der Laden anders. Diesmal hab ich mich ganz einfach und anfangs scheinbar sinnvoll verliebt. Und!!… Es war wirklich einfach. Dafür musste ich nicht mal aufgebrezelt an den Bürotüren irgendwelcher Freelancer vorbeihuschen oder mich zu sonntäglichen Eisessaktionen in knappen Sommerkleidchen aufraffen. Sondern nur entsetzlich erkältet mit zwei, vermutlich durch eine Überdosis Weihnachtsbraten und Knödel entstandenen, riesigen Pickeln am Kinn im Bett liegen. Während sich mein Gesicht durch mangelhafte Brauchbarkeit von Klopapier zum Naseputzen immer intensiveren Farbkompositionen zugewandt hat, gerieten meine Gefühle in den Bann von Emails. Dem neuen MacBook mit funktionierender Airport-Funktion sei Dank.
Statt mit dem schönen, schwarzen MacBook mal meine Mappe vorzubreiten, um der unangenehmen Panik entgegenzuwirken, die es sich neuerdings dauernd in meinen Gedanken gemütlich macht, wenn ich die Möglichkeit der Nichtverlängerung meines Arbeitsvertrags in Betracht ziehe. Ja, statt irgendwas lebensverbesserndes zu tun, habe ich mir so ein dämliches Flirtprofil auf eine Freakplattform im Internet erstellt, die einem dabei behilflich sein kann ein eigentlich entspanntes und gut funktionierendes Singledasein zu beenden.  Der absolute Mist also.
Und es wurde noch viel schlimmer und sinnloser! Denn wenn man erst Mal denkt einen super Mann gefunden zu haben, weil man ja immerhin glaubt, einem attraktiven Foto und ein paar gut geschriebenen, sehr humorvollen Emails vertrauen zu können, dann muss man irgendwann nur losgehen und sich treffen. Um das Glück sozusagen zu besiegeln….
Was aber gar nicht so einfach ist, wenn man Jemanden trifft, der …. also leicht, … also sagen wir mal in seinem Verhalten recht feminin ist (was bewirkt wohl so was im Bett?), drei Kinder hat (was ja nicht so wild ist) und Janis Joplin hört (was absolut unzumutbar ist).
Wenn dann man dann aber noch eine Wohnung betritt, eine mit kuscheligen, roten Kissen überzogene Chilloutzone mit Lichterketten! – Dann muss man sich nicht nur über die eigene Unzurechnungsfähigkeit wundern.
Entsetzlich! Wenn es irgendwas gibt was ich wirklich hasse, dann ist es Dekoration! Man kann ja mal eine Blume irgendwo hinstellen. Warum auch nicht. Aber rote Ranunkeln aus Plastikfolie, die klebt man sich doch nicht an die Wand. Das geht doch nicht. Und als Mann schon gar nicht. Diese schlimmen Zeiten sind doch vorbei. Diese Zeiten mit sechseckigem, schwarzen Geschirr, Bruce Webber –Fotografien, und Joy-Gläsern, die man nicht benutzt sondern mit Rosa-Wölkchen-Plastik-Umrührstäbchen im Regal gut sichtbar verwahrt. Damals verlief ein Gespräch in der Küche so: „Ich nehm mal n Glas – ja?“ „Ja klaro! Aber keins von den Joy-Gläsern. Die sind nicht zum Trinken. Die sind von Leonardo.“
Und wenn’s heute so aussieht, wie damals in der Küche, dann verlaufen Gespräche so: „Willst du n Glas?“ Nee danke. Muss jetzt wirklich schnell los. Ich hab wahrscheinlich die Herdplatte angelassen!“