Heinzhalter
Februar 4, 2009
Zur Arbeit latsche ich immer über so eine glamouröse Einkaufstraße. Das einzige, was man dort als krisenverdächtig bezeichnen kann, ist man immer noch so vielen Frauen begegnet, die sich ihre Jeans in die hohen Stiefel stopfen. Warum wollen sie alle so aussehen, als kämen sie gerade vom Ponyhof?
Auch sonst weist nichts auf Krisenstimmung hin. Im Gegenteil. Ich gehe zu Beispiel immer an einem interessanten Lädchen vorbei. Die verkaufen so Silberzeug, das dann wahrscheinlich in kleinen Einfamilienhäusern landet und an dem sich die gelangweilten Hausfrauen, von 3er BMW fahrenden Zahnärzten erfreuen, die Besenkammersex mit heißen Sprechstundenhilfen haben. Und das während die Hüterin des Hauses ihre Kinder einem monströsen schwarzen Ford Kuga in die Kindertagesstätte karrt und danach drei Stunden einen Parkplatz sucht, um bei einer Freundin noch auf ein Tässchen Tee reinzuschneien.
Naja. Zurück zum Silbershop. Ich habe mich morgens auf dem Weg zur Arbeit lange Zeit an einem silbernen Ketchupflaschenhalter erfreut und war ganz betrübt, als dieses Highlight der Sinnlosigkeit, zum lächerlichen Preis von 490 Euro aus dem Schaufenster verschwunden war. Ich hatte Schwierigkeiten eine Schublade für die Zielgruppe eines solchen Objekts zu finden.
Wer ist Heizketchup-Fan? (Der Halter war eigens für die typische Heinzflaschen-Form konzipiert). Wer ist also so regelmäßig Heinz-Ketchup, und braucht dazu nur noch einen Halter aus Silber für 490 Schleifen? Wer isst Ketchup und kauft sich dazu kein I Phone sondern ein Heinz-Etui? Ich kam einfach nicht drauf?
Aber jetzt. Endlich weiß ich, dass es diese Person gar nicht gibt. In Zeiten in denen die Shoppingmoral immer weiter in den Abgrund schliddert und man sich als Verkäufer genau überlegen muss wie man die Leute in sein Silbergeschäft lockt, klärt sich die Frage: Warum ein scheiß I Phone kaufen, wenn es Ketchup-Halter gibt?
Denn: auf einmal steht das Ding wieder in der Auslage. Es wurde nie verkauft. Bin ich froh. Und diesen Silber-Shop-Auslagen-Gestalter sollte man loben. Man muss ja gucken wo man bleibt. Ich finde es eine sehr feinfühlige Geste in diesen Zeiten die Leute mit einem sinnvollen Gegenstand zu verleiten, ihre Portemonnaies von langweiligem Geld zu befreien.