Hab meine Mutter als nackte Katze bei der Arbeit erwischt!
September 18, 2008
Gerade frage ich mich wozu man mich hier braucht. Da habe ich Stunden, nein Tage darüber nachgedacht welche Worte man, wie aneinander reiht, um einen neuen Service fürs Hemdenbügeln zu beschreiben. Der Kunde hatte nach einer, diesen Luxus bewerbenden, Broschüre verlangt. Es handelt sich um den neuen Reinigungsetat, den unsere Agentur neuerdings mit Ideen beliefert. So was sollte man auch nicht machen. Reinigung! Darf man sich doch nicht drauf einlassen. Ist doch klar, dass da nur Unsinn dabei rauskommt. Solche Kunden sind einfach Mist. Da darf man sich nichts vormachen.
Jedenfalls hat dieser Kunde am Ende fein säuberlich alles entfernt, was den Text, den ich geschrieben habe, zum Leben erweckt hat. Aber was soll man auch von einer Reinigung anderes erwarten. Nur jetzt nicht aufregen! So ist das eben.
Eigentlich könnte man komplett auf mich verzichten und einfach eine Maschine einsetzten für den Quatsch, der hier produziert wird. Nämlich, ohne Sinn und Verstand zu einemText ezusammengeklatschte Informationen. Hauptsache der Leser pennt am Ende noch ein, bevor er die Broschüre endlich wegschmeißen kann. Noch vor allen anderen Werbeprospekten, die die Papiertonnen bevölkern.
Wirklich: eine Maschine muss her. So wie bei GoogleNews. Die sind ja auch nicht so blöd und setzen echte Journalisten dran, die Nachrichten zusammen zustellen. Geht da ja auch nicht um den Inhalt und ob der nun wahr ist oder nicht, ob der stinkend langweilig ist oder was auch immer. Genau wie hier.
Dann würde ich wenigstens nicht umsonst hier rumsitzen. Ich könnte morgends die Maschine anschmeissen und dann den ganzen Tag meine Mutter googlen. Was wirklich wesentlich sinnvoller wäre, als Texte zu schreiben, die keiner haben will. Da entsteht zumindest kein Altpapier. Was ich neulich tatsächlich mal gemacht habe. Meine Mutter gegoogelt; die Suchergebnisse waren frappierend. Ich bin dabei auf das Bild einer Katze ohne Haare gestoßen. Sonst gab es noch eine Menge Häkelnadeln zu sehen und ein Videostill aus „Here comes the Hotstepper“. Will ich auch gar nicht wissen, was die so macht in der Zeit in der sie angeblich arbeitet.
Zum Glück gab’s Katzenfutter
Juli 13, 2008
Klar ist, dass heutzutage eigentlich jeder unheimlich viel zu tun hat. Wer es nicht hat tut wenigstens so und dass etwas nicht ganz stimmt merkt man nur daran, wenn Leute auftauchen, die Zeit und Lust haben Fahrradfahrer anzuschreien, weil sie ohne Licht fahren. Viel zu tun haben ist aüßerst imagefördernd und wer besonders viel tolle Sachen hinbekommt, wirkt so als hätte er nicht nur alles im Griff, sondern suggeriert auch noch einen Zustand vollkommener Erfüllung.
Bei mir ist es anders. Ich habe mein Leben absolut nicht im Griff und obendrein auch noch wirklich viel zu tun. Kommt mir jedenfalls so vor. Das ist auch das Problem. Jemand anderes würde mit meinem Pensum wahrscheinlich nebenbei noch locker ein paar Rekorde im Poolbilliard brechen und aüßerst aktiv meditieren. Leider gehöre ich hingegen einer Spezies an, die viel zu viel Zeit braucht, um sich zu erholen. Von was auch immer. Es ist egal was ich anpacke, ich brauche nach einer Anstrengung immer viel Ruhe. Und nach einer Woche Menorca-Workshop inklusive 20 Juniorwerbern rund um die Uhr hätte ich in eine Reha gehört. Stattdessen erwartete mich aber ein normaler Montag. Ein Montag an dem sofort das Telefon klingelt, als ich in der Agentur bin. Kling: „Guten Morgen A. Für dich gibts diese Woche Katztenfutter“ „Ja gut. Kein Problem. Mach ich gerne!“ Gott sei Dank. Denn Katzenfutter gehört zu den Themengebieten, um die sich meine Agentur kümmert, die leichter zu beackern sind, als beispielsweise ein Auto. Mag sein, dass es auch daran liegt das Katzenfutter nicht unbedingt der Prestigekunde ist, bei dem man alles daran setzt ihn mit Kreativideen vollzustopfen.
Somit habe ich die Woche einigermaßen hinter mich gebracht. Neben den normalen Anforderungen des Tages, der bei mir aus zwei Stunden Pendeln und den 10 Stunden Katzenfutter bestand, kam noch morgens und abends Inhalieren dazu, weil ich so schlau war die Woche auf Menorca lang Fortunazigaretten zu rauchen. Egal. Es gibt Leute, die trinken zehn Liter Wasser am Tag und sterben dann an einer Überdosis davon.
Aber ich hab sowohl die zwei Schachteln Fortuna, als auch die Woche Katzenfutter überlebt.
Ohne Buttler eingeschlafen
Juni 26, 2008
Mist. Ich muss wieder zur Arbeit. Und wieder Dinge tun, die nichts mit essen, schlafen, Campari/O, rauchen oder braun werden zu tun haben. Jetzt heißt es wieder früh ausstehen Ewigkeiten in der Agentur verbringen. Ja. Aber für den ersten Tag war ich nicht untätig. Ich habe Pfandflaschen zum Supermarkt gebracht und dafür gabs ein Deo, ein Eis und sogar noch ein paar Euro Rückgeld. Das war zwar der Hauptteil meiner Tätigkeit, aber nur ein Bruchteil eines ansehnlichen Vermögens, dass in Form von noch mehr Flaschen in den Schränken meines Büros lagert.
Ansonsten bin ich froh festzustellen, mich gar nicht unwohl zu fühlen, obwohl ich jeden Tag meines Urlaubs an dem Gedanken verzweifelt bin, dass dieser irgendwann endet.
Aber man lernt ja dazu. Deshalb hab ich mich gut auf heute vorbereitet. Denn ich weiß: nach einer mehr als dreitägigen Unterbrechung, des Arbeitsalltags liege ich manchmal die ganze Nacht schlaflos im Bett, weil mich die bevorstehende Sklaverei so beunruhigt. Das kann aber zum Glück nicht mehr vorkommen, denn Mathilde hat jetzt einen Ärzteausweis, mit dem man in der Lage ist Leuten wir mir Medikamente zu verabreichen, für die sie normalerweise erst mal wochenlang zum Psychologen rennen müssten.
Also hab ich einfach bis zwei Uhr Nachts gewartet, um festzustellen, dass es auch diesmal mit dem Einschlafen nicht klappt, (vielleicht lag es auch etwas am Autocorso in Verbindung mit dem Feuerwerk vor meinem Fenster) um dann eine diese wirklich unglaublich entspannende Tablette einzunehmen. Schade, dass ich das nicht öfter machen darf. Ich musste Mathilde versprechen sie höchstens einmal im Monat anzuwenden. Leider ist nämlich die einzige Nebenwirkung dieses Wundermittels Abhängigkeit. Aber allein schon ihre Verfügbarkeit vermittelt mir das Gefühl, als würde zu Hause ein Buttler auf mich warten, der ein intarsienverziertes, klirrendes Wägelchen vor sich herschiebt auf dem sich die gesamte Aperitivpalette Südfrankreichs befindet, plus ein ausgewähltes Rumsortiment der Reunion. So ein Wägelchen könnte ich eigentlich auch – wenn auch ohne Buttler – benutzen, aber dann wäre ich am nächsten Morgen zu unfit. Mit Hilfe dieser Tabletten schläft man nämlich in kürzester Zeit ein auch wenn man nüchtern ist.So ein Urlaubsende wird mir somit schlafmäßig nichts mehr anhaben können. Und Heute und Morgen werde ich wohl einigermaßen überstehen, bevor ich dann eine Woche zu einem Workshop fahre. Dieser findet noch nicht mal in Duisburg, sondern auf Menorca statt. In Anbetracht dessen sollte ich mich vielleicht ein bisschen über die nervlichen Auswirkungen wundern, die sich hier wegen zwei Tagen Arbeit abzeichnen…
Höre wieder Stimmen
Juni 19, 2008
Zum Glück hat sich alles wieder etwas beruhigt. Sogar meine Haut hat sich nach dem Wechsel zu einer neuen Tagescreme im Wert einer Perlenkette wieder erholt. Das Versprechen jüngerer Haut hat sie zwar gehalten, aber ich war trotzdem nicht ganz zufrieden. Mein Hautbild hatte sich wirklich deutlich verjüngt. In Etwa auf die Erscheinung einer Dreizehnjährigen. Die unzähligen Pickelchen, die meine Stirn wie einen zweiten Haaransatz säumten sie Gott sei Dank weg. Und nach den Turbulenzen, der letzten Wochen ist alles wieder ganz normal.
Jetzt genieße ich es wieder einfach nur rumzuhängen und nichts zu tun, außer Filme gucken, lesen, essen und ausschlafen und auf dem Vorsprung der Feuerleiter auf einem Klappstuhl sitzend, an meiner Bräune zu arbeiten. Ich höre auch wieder Stimmen, wenn ich alleine bin und fühle mich so wohl zu hause, dass ich am liebsten gar nicht mehr rausgehen will. Dazu kommt noch, dass ich gar nicht alleine bin, weil immer ein paar kleine Käfer auf der Fensterbank zu Besuch habe, die darauf warten von wir freigelassen zu werden. Jetzt sollte man denken, für jemanden in einer Wohnung voller Käfer, der auch noch Stimmen hört, ist es vielleicht doch das beste Mal etwas unter Leute zu gehen. Aber nicht Mal die Einladungen zum Fußballgucken konnten mich gestern vor die Tür locken. Es war herrlich. Die Stimmen kommen nämlich aus einem neuen, alten Röhrenradio mit einem entzückenden Klang. Es brummt erst ein bisschen, wenn man es anstellt bevor es in die Gänge kommt, was mir sehr sympathisch ist. Das alte war schon seit Monaten kaputt. Gestern habe ich also Radio gehört, zu lange Hosen gekürzt, etwas Wein getrunken und mich gefreut, dass ich noch eine Woche Urlaub vor mir habe. Eine ganze Woche. Ganz ohne Lebensmittelvergiftung und ohne vollkommen gestört auf mein Handy zu starren und es zu hypnotisieren, damit der sedierte Holger sich meldet. Und das mit den Käfern nimmt auch bald ein Ende. Es muss irgendwas mit der Speisekammer zu tun haben, denn die kleinen Raupen und ihre Kokons sammeln sich immer auf meinen Frühstückstellern. Aber diese Angelegenheit steht auf meiner To-Do-Liste schon recht weit oben. Bald ist alles wieder beim alten, nur ohne Käfer.
122 bei 40° im Urlaub
Juni 15, 2008
Die letzten zwei Wochen hatte ich Urlaub. Und ich habe wirklich einiges erlebt. Dabei fällt mir jetzt auf, dass es mir bisher gelungen ist in gleich mehreren essenziellen Lebensbereichen erstaunlich weltfremd zu sein.
Hier kleine Liste meiner Urlaubserlebnisse:
1. Wie es ist eine Regenrinne zu sein:
Während einer Lebensmittelvergiftung durch Tiefkühlflammkuchen macht es keinen Sinn diese zu ignorieren und der Verzehr fettiger Schinken-Käse-Toasts mit einem Gläschen Wein dazu erwirkt keine Verbesserung der Situation. Während man 40 Grad Fieber hat und sich alle Körperfunktionen auf die Tätigkeit einer Regenrinne reduziert haben (egal was man oben reinschüttet, es kommt alles nur etwas verfärbt wieder unten raus) macht auch eine Verdauungszigarette keinen Sinn. Auch die Wahl des Arztes ist nicht unentscheidend, wenn man von Flammkuchenbakterien befallen ist. Nach einer Woche Regenrinne und 40 Fieber wusste ich nicht mehr weiter und rief Mal die 112 an:
„Ja guten Tag, also ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Seit einer Woche habe ich 40 Fieber und behalte nichts mehr bei mir. Ich glaube ich werde verhungern.“ „Hm, ja dann müssen Sie mal zum Arzt“ „Ja ich war beim Arzt“ „Und hat der Ihnen nichts verschrieben?“ „Doch! Er hat mir gleich fünf verschiedene homöophatische Kügelchen verabreicht.“ „ Ja, dann müssen Sie zu einem anderen Arzt“ „Ok, aber…“ Klick.
Mit so hohem Fieber war es nicht ganz einfach sich noch mal zum Arzt zu schleppen, aber ich konnte ihm immerhin neben weiteren Globuli ein Antibiotikum abringen. Der Arzt dachte sich dann bestimmt: „Meinetwegen, dann soll Sie das Teufelszeug nehmen, aber helfen werden nur Hahnemanns Globuli, die sind so schön winzig, die bleiben auf jeden Fall drin.“
2. Wie man ein richtiger Braten wird
Um die 40 Grad Kopftemperatur von den 35 Grad Juniwetter zu trennen, hatte ich Vorhänge an den Fenstern installiert. Eine vernünftige Maßnahme, wenn man todkrank in einer Dachwohnung liegt. Wenn man knapp zehn Tage vom dem spärlichen Licht, dass durch die Vorhänge stolpert, gelebt hat und dann erschreckt dem Wetterbericht entnimmt es gäbe eine Kaltfront, die Regenwetter sichert inklusive Temperaturen um die 12 Grad, ist dass natürlich ein Schock. Besonders wenn man sich Mitten im Urlaub befindet.
Also eben in Unterhose ein paar Stündchen in die Sonne auf dem Balkon gebrezelt und gelesen, um schnell wenigstens etwas Farbe zu bekommen. Ein bisschen Farbe hatte ich mir nicht als Rot glühende Abdrücke vorgestellt, die von den Linien meines Klappstuhls unterbrochen zu einem schönen Muster führten. Ich meine dies Fleischstücke die in so ein Netzt gepresst werden. Ich sah also aus wie ein Schweinchen und dazu hat es noch ordentlich gejuckt. Naja, nächstes Mal einfach gut eincremen. Nächstes Jahr gibt’s ja wieder Urlaub im Sommer.
3. Wenn man auf Nr.Sicher gehen will
Nachdem ich die ersten zwei Wochen des Urlaubs auf dem Sachgebiet Gesundheit so schön im Selbstversuch vor mich hinprobiert hatte, habe ich dann gleich damit weitergemacht. Sicher kann man vor machen Aktionen kurz nachdenken und das gröbste Schlamassel verhindern, aber niemals kriegt man damit so klare, untrügliche und einmalige Ergebnisse hin, wie mit try-and-error. Erst jetzt kann ich mit vollkommener Sicherheit sagen, dass man seine Ressourcen verschwendet, wenn man folgende Verhaltensweisen eines Mannes einfach übergeht. Ein kontinuierlicher, sehr mondäner Umgang mit Koks, LSD, Extasy, Pilzen und Gras spricht nicht unbedingt für Beständigkeit der Person, auch wenn man mit einer gewissen Regelmäßigkeit zusammen ins Bett geht. Gleichermaßen sollte man auch die Tendenz sich nie zu melden nicht als irrelevant übergehen, weil man sich denkt: „Ach der hat bestimmt viel zu tun. Das bedeutet schon nicht viel.“ Wenn man dann herausfindet, dass sich die Person lieber stoned und trockenes Toastbrot essend in der Mitte anderer dauerbekiffter Halbirren befindet, anstatt wie angedacht zusammen mit mir schwimmen zu gehen, sollte das eigentlich genug Info sein, um von so einem offensichtlichen Desaster Abstand zu nehmen. Aber ich wollte noch genauer wissen, was wohl dahinter steckt. Aber ich wollte auf Nr. Sicher gehen und erfahre dann auf eindringliches Nachfragen hin, dass ich einfach der uninteressante Stuhl von Mehreren bin. Da gäbe noch ein anderes, besseres, schönes, unerreichbares Stühlchen, dass er am Wochenende besuchen würde, um es noch einmal wieder zu sehen bevor es auf einen anderen Kontinent verschwinde. Tja.. Das sind Dinge, die das Selbstwertgefühl nicht gerade ins unermessliche steigern. Klar. Ich bin aber auch wirklich ein Hornochse. Diese Holger-Angelegenheit war wirklich ganz großer Mist.
Aber jetzt ist Schluss mit try-and-error, denn nicht zuletzt haben sich mir in diesem Urlaub durch das langatmige Kranksein, die Vorteile der Fernsehprogrammzeitschriften erschlossen. Ich muss jetzt nicht mehr ewig herumschalten und mich stundenlang aufregen bevor ich wieder abschalte. Es ist großartig. Auf einmal läuft mein Leben nach Plan. Und ich kann mich auf das absolut sicher eintreffende Glück freuen, dass heute Abend „African Queen“ mit Katharine Hepburn im Fernsehen kommt.
Fettlinge blockieren Hochseilpark
Mai 18, 2008
Um einer düsteren Stimmungsepisode, die das Wochenende bisher überschattet zu entgehen, hab ich mich gleich nachdem Aufstehen mit dem Abarbeiten einer To-do-Liste beschäftigt. Und besonders die Punkte, bei denen es sich um Reinigungsaktionen in der Wohnung handelt, haben schon zu einer leichten Stimmungsaufhellung geführt.
Aber gegen die beiden Ursachen mangelnder Hochstimmung, die wie zwei schlecht steuerbare Schlittenhunde meine Stimmungskutsche immer wieder bergab ziehen, kann ich einfach schlecht was machen.
Das eine Problem ist, dass ich morgen wieder arbeiten muss. Mit meinem Schlittenhund nummer Eins: Einem Kollegen der für mich oftmals soviel Respekt aufbringt, wie für ein Stück ranzige Margarine. Aber wenn man sich an die weisen Vorgaben einer Religion hält, deren weibliche Hauptrolle darin besteht, das Kind eines über den Wolken regierenden Opas auszutragen, und das auch noch ohne dieser Frau den Genuss der befruchtungseinleiten Maßnahmen zuzugestehen, sollte man sich nicht wundern, wenn dieser Kollege sich mit mir etwas schwer tut. Es sieht mich vermutlich als Gestörte, deren Humor als Einlieferungsgrund schon ausreichen würde und die irgendwann für ihre hedonistischen Ansichten bezahlen wird. Ich, die sich wahrscheinlich in seinen Augen auf Grund fehlender Ziele, wie in einem netten Haus das Schaltsystem einer Dunstabzugshaube zu managen, um einer möglichst vielköpfigen Familie Fleischgerichte zu präsentieren, ein relativ sinnloses Leben führt.
Deshalb hab ich jeden Tag die Aufgabe nicht nur Ideen zu entwickeln, sondern sie auch immer noch, egal in welchen Stadium, einem Kollegen unter die Nase zu halten, der sie so kommentiert, wie der Executive Creative Director eines weltweiten Networks es tun würde. Das macht wirklich überhaupt keinen Spaß und deshalb gehe ich im Moment immer so ungern zu einer Arbeit, die mir eigentlich Spaß machen würde. Naja, ich muss es als Herausforderung annehmen. Und das einzige was hilft ist, gelassen zu bleiben. Wenn ich mich ärgere, dann wird er nur noch erhabener. Da bin ich also noch dabei eine passende Strategie zu entwickeln. Aber das wird noch. Und irgendwann wird der Tag kommen, an dem ich mit jemand anderem zusammen arbeite. Leider nur nicht die nächsten acht Monate. Solange blockiert dieser Typ noch den lockeren Gang durch den Hochseilpark Werbeagentur wie eine dickliche, rosa Engländerfamlilie. Mist.
Der andere Schlittenhund ist die Grillbekanntschaft. Da bin ich nämlich nicht mehr mit abwarten, sondern mit auskurieren beschäftigt. So unerwartet, wie es angefangen hat es auch wieder aufgehört. Es hat auch etwas gutes, denn der Mann hatte einen Namen mit dessen Klang ich mich nur schwer angefreundet hab. Holger. Holger! Da konnte ja etwas nicht stimmen. Wir hatten uns letztes Wochenende verabredet, nachdem ich meinen Ich-melde-mich-garantiert-nicht-Ansatz nach dem dritten Glas Pastis weggespült hatte. Am Samstag haben wir eine herrliche Radtour zum Baggerloch gemacht. Der Tag endete mit einem längeren Kuss. Am nächsten Tag hatten wir eine Verabredung am Rhein zu einem Grillfest. Dieser Tag endete mit Sex und mit ihm auch die Verabredungen. Kein Anruf mehr. Keine SMS. Nichts. Niente. Rien. Nadar.
Ich weiß jetzt nicht was es ist. Richtig verliebt war ich nicht, aber es war wirklich schön und deshalb ist es etwas schade. Nicht unbedingt um die zehn Minuten, die uns nur noch ein Stückchen Latex trennte- also die waren auch irgendwie gut, aber nicht so richtig sensationell. Und dann gibt es ja auch noch diesen sperrigen Stolz, der einem irritationslosen, freudigen Gruß wie diesem im Wege steht: „Willkommen zurück, Singleland! Mensch, nach zwei Wochen in denen ich nur einen ganz bescheidenen Schritt vor deine Tore gesetzt hab, bin ich ganz erleichtert endlich wieder hier zu sein. Du alter Kumpel! Gut das de da bist.“ Nein dieser blöde Stolz gesellt sich gleich noch als dritter Schlittenhund dazu, der in die falsche Richtung zerrt und stellt blöde fragen wie, woran das liegt, dass es jetzt schon der zweite Typ ist, der sich für mich interessiert, wie für ein Feriengebiet, dass man nach einem kurzen Fickaufenthalt wieder verlässt. Hm? Aber was solls. Widme ich mich eben wieder der guten alten Aufgabe und schicke ein paar Friedenstruppen vom Verstand an die Hormone und warte auf Besserung. Vielleicht auch noch ein paar Blauhelme, die in der Selbstbewusstseinszentrale ein bisschen rumpatrouillieren. Damit da Ruhe einkehrt. Aber ich höre gerade auch schon ein leises Rauen oben aus der Zentrale: „Holger. Vergiß Holger! Das ist doch auch kein Name. Sowas geht gerade mal fürn Urlaub…(Holgi)…Mit so einem Namen kannst ja nicht mal ins Ausland, da würde man olljschär, sagen wenn man ein Croissant bestellt und wer will schon jedes Jahr nach Malente… “
Abwarten
Mai 9, 2008
Klar ist eigentlich immer noch, dass ich mich nicht zuerst melde. Aber es ist schon Freitagabend und das bedeutet: Wochenende. Und Nokia6230i hat noch keine Nachricht oder etwa einen verpassten Anruf angezeigt. Doch schon, aber nicht von meiner Grillbekanntschaft. Mist. Da hilft nur schnell keine Zeit verlieren und ich habe auch schon ein Ablenkungsmanöver eingeleitet. Gleich kommt Mathilde und es wird Pastis getrunken und wir befragen das einfach das Pendel, was wohl dieses Wochenende noch passieren könnte. Pendel ist zwar blöd, aber für Tische rücken ist bei mir kein Platz. Mal sehen. Aber ich rufe nicht an.
Eisessen
Mai 9, 2008
Nach wirrem Klamotten- und herausputzmäßig unkontrolliertem Aufbruch zum Eisverzehr am Sonntagnachmittag habe ich auf dem Weg dorthin gleich zwei Elementare Schlüsse für diesen Sommer ziehen können. Mein Lieblingskleid ist auf Grund nicht vorhandener Länge eher unoptimal zum Radfahren. Und die Annahme die Strecke am Rheinufer entlang, bei sommerlichen Wetterprozessen an einem Sonntag, fahrend zurücklegen zu können ist eher geistesarm. Durch die Anhalt und Ausweichphasen schön extra verschwitz, erreichte ich trotz allem die gewünschte Verabredungsstelle und war natürlich nicht zuerst da.
Aber eigentlich geht es kaum besser. als von einem gut aussehenden, wartenden Mann lächelnd zu Eistermin empfangen zu werden. Es war auch dann gleich ganz angenehm unangestrengt, obwohl man wegen mangelnder Routine in Eisverabredungen auch leicht in die Verlegenheit hätte kommen können, mühevoll nach Lockerheit zu ringen. Und ich finde wohl, dass das für die Qualität so einer Annährung spricht, wenn man sich nicht so besonders sperrig fühlt, während man mit Eis beladen nebeneinander herstapft.
Was mir gleich besonders gut gefallen hat, war die Ablehnende Haltung meines Spazierpartners der akustischen Zumutung gegenüber, die von der Schafherde ausging, an der wir vorbeikamen.
Man sieht aber auch, dass die Route dieses wirklich schönen Spaziergangs nicht unromantisch angelegt war. Nein wirklich! Es war sehr schön. Besonders, als wir nebeneinander auf seiner Jacke sitzend das Eis aufgegessen haben. Eigentlich hab ich gedacht, dass dieser Eistermin kürzer dauern würde, als er dann gedauert hat. Wir sind dann noch zwei Stunden weiterspaziert und es war überhaupt nicht langweilig und auch lustig. Und jetzt kommts: Es wurde besprochen sich noch mal zu treffen, um zusammen zu kochen. Aber wie gesagt, wurde die nur Möglichkeit erwägt. Da dann herausgefunden wurde, dass sich dazu das Wochenende eignen würde bin ich jetzt ganz gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Klar ist, dass ich mich natürlich nicht melde. Mit Zurückhaltung kann man nichts falsch machen. Und es gibt schon genug, was ich bisher mit übereilter Tolpatschigkeit versaut hab. Also vertreibe ich mir einfach die Zeit damit alle fünf Minuten zu überprüfen, ob Nokia6230i nicht irgendeinen, wann auch immer verpassten Anruf zu melden, oder vielleicht gerade in dem Moment wo ich drauf schaue eine Nachricht ankommt.
Salami
Mai 8, 2008
Am Sonntagvormittag war ich einerseits damit beschäftigt einen Kater auszukurieren und andererseits wurde mir klar, dass die Möglichkeiten dessen, was man inhaltlich in eine Kurznachricht quetschen kann, unzählig sind. Ich hätte ja gerne die neue Nummer von diesem netten Mann mit Grillkenntnissen und Wolldecke benutzt, um eine SMS zu verschicken. Aber das ist ja nicht einfach. Eine Gradwanderung zwischen nett, aber trotzdem cool genug. Oder unaufdringlich, aber eben doch antwortförderlich. Lustig, aber auch nicht dümmlich. Ich war absolut überfordert. Eine schwierige Aufgabenstellung, der ich mich noch stundenlang hätte widmen können. Bis plötzlich das Telefon einfach so klingelt. Dieser Mann hat einfach angerufen.
Auf so eine Idee wäre ich gar nicht gekommen. Als wäre das zu beackernde Problem ein Stück zwischen den Zähnen hängengebliebene Salami gewesen und während ich mich mit Zahnstochern herumplage, greift dieser Typ einfach zur Zahnseide. Und es kommt noch dicker: Als die Konversation ins Stocken gerät, schlägt er eine Verabredung vor. Sowas hätte ich mich niemals getraut. Ganz gegen meine Gewohnheit habe ich dann auch noch kurz drauf das Haus verlassen: An einem Sonntag! Zum Eisessen.
Nachrichten ruhen friedlich.
Mai 8, 2008
Seit dem Telefonwechsel treten lebensverändernde Vorgänge in rasender Schnelle ein. Denn: Neues Handy ist wie ein neues Leben. Jetzt kann auch nicht mehr in alten SMS gewühlt werden, die ab jetzt nicht mehr immer wieder auf ihre vermeintlichen Aussagen überprüft und neu interpretiert werden können. Sehr gut. Eine Besonders befremdliche Nachricht, wie sie mir vor einiger Zeit auf die wohlwollende Bekundung der Zufriedenheit über die besonderen Nachtaktivitäten nach einem nervien Arbeitstag, die mir gesendet wurde, war diese: Ja. Das ist es. Bin gerade aus der Agentur raus. Puh.
Da muss man sich nichts vormachen. Dieser, leider von mir ein paar Wochen lang wirklich gut gefundene Nachrichtenurheber schien mir mit der Angelegenheit eher lässig bis desinteressiert umzugehen. Tja, und diese und eine paar andere Denkmäler der Kurznachrichtenkommunikation aus der Kategorie emotionale Sensationen sind jetzt auf dem Datenfriedhof Nokia6230 begraben. Eigentlich auch ein bisschen traurig, denn es war schon der ein oder andere Meilenstein dabei, die immerhin mit genügend Abstand betrachtet in die Kategorie Komik sortiert werden konnte.
Während auf dem Datenfriedhof friedlich geruht wurde und immer noch wird, bin ich am Samstag abend mit dem emotional jungfräulichen Nachrichtenspeicher von Nokia6230i auf eine Geburtstagsfeier gegangen. Äußert zufrieden und mit meinem wetterbedingt etwas upgegradeten Hautton bin ich dort hingefahren. Draußen, Bierbänke und Grill sind ja eine sehr willkommene Feiergrundlage und es war auch ein guter Abend. An diesem Abend ist mir auch von Anfang an ein gut aussehender Typ nicht entgangen, der sich ganz sympathisch um die Grillwürstchen kümmerte. Somit lag es auch nicht so fern ihn anzusprechen, denn ich hatte riesigen Hunger. Neben seinen Grillkenntnissen verfügte er auch noch über eine Wolldecke, von der er mir sogar später ein Stück angeboten hat, als es kälter wurde. Am späteren Abend war ich bis an die Halskrause vollgestopft mit kleinen Nürnbergern und erfreut über die nette Unterhaltung. Den Abend beschließend fand noch würdevolle Einweihung des neuen Adressbuchs von Nokia6230i, mit der Einspeicherung seiner Nummer statt. Das Nokia6230i-Leben hat gleich gar nicht so schlecht angefangen. Aber selbst Hermann H. warnt ja schon lange vor Zauber durch Aschiede.
Jetzt muss ich schnell los zu Arbeit. Nachdem ich dachte, dass das volle Ausmaß Chaos in der Agentur getern abend gegen 21 Uhr schon überschritten wäre, war das erst der Anfang. Immerhin hab ich aber doch noch ein Stündchen schlafen können. Nämlich zwischen sechs und sieben Uhr früh unter meinem Schreibtisch im Büro. Danach gings noch bis Mittags hektisch weiter. Und ich bin gestern Nachmittag um drei in eine tiefen Schaf gefallen und eben erst aufgewacht und bestimmt werde ich gleich schief angeguckt, dass ich sozusagen nach einem freien Tag auch noch mit Verspätung eintreffe.